Experteninterview mit niedergelassenem Urologen in München

Was ist die BPH?

„BPH“ ist die Abkürzung für „Benigne Prostatahyperplasie“ und bezeichnet eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Die Prostata wird auch „Vorsteherdrüse“ genannt. Sie existiert nur beim Mann und befindet sich unterhalb der Blase, wo sie den ersten Abschnitt der Harnröhre umschließt. Durch ihre Lagebeziehung zur Harnröhre führt eine Vergrößerung der Prostata häufig zu einer Einengung der Harnröhre. Hieraus können Beschwerden beim Wasserlassen (der Miktion) resultieren. Man spricht dann von einem Benignen Prostatasyndrom (BPS). Eine der Hauptursachen der BPH ist eine Hormonumstellung im Laufe des Lebens, welche zu einem vermehrten Wachstum der Prostata führt. Daher ist die BPH beim älteren Mann nichts Seltenes und in der Regel zunächst auch nichts Schlimmes. Jedoch kann zum einen die Symptomatik durch die Harnröhreneinengung den Betroffenen mehr oder weniger stark beeinträchtigen, zum anderen können sich bei Fortschreiten der Erkrankung schwerwiegende Komplikationen entwickeln.

Welche Bedeutung hat die BPH bei Männern > 50 Jahre im Alltag ?

Die meisten Männer hören bereits vor der Erstvorstellung beim Urologen durch Bekannte oder Freunde von der Prostata und den gutartigen und bösartigen Erkrankungen, die in der Prostata entstehen können. Der Großteil der Männer entwickelt im Laufe seines Lebens eine gutartige Vergrößerung der Prostata, die meisten ab Mitte 50. Bei vielen Patienten führt die mit der Erkrankung einhergehende Symptomatik zu Einschränkungen im Alltag, wie z.B. auf Reisen, bei Freizeitaktivitäten wie Sport oder nachts. Hierbei werden insbesondere die sogenannte Drangsymptomatik, bei welcher der Patient einen sehr plötzlich einsetzenden Harndrang verspürt, die Nykturie – das nächtliche Wasserlassen – und die verlängerte Miktionsdauer bei nur schwachem Harnstrahl als lästig empfunden. Weitere Symptome können z.B. eine erhöhte Miktionsfrequenz, ein verzögerter Miktionsbeginn, Stottern beim Wasserlassen oder ein Urinnachtröpfeln nach dem Wasserlassen sein. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium können gehäuft Harnwegsinfekte oder Unterbauchschmerzen durch vermehrten Resturin in der Blase nach der Miktion auftreten. Auch Flankenschmerzen durch einen Rückstau des Urins in die Nieren (Harnstauungsnieren) können beobachtet werden. Der Leidensdruck variiert von Patient zu Patient. Auch das Ausmaß, in welchem Patienten die Beschwerden als störend empfinden, können individuell verschieden sein.

Wovon hängt die Therapiewahl ab?

Vor Einleiten einer Therapie ist es zunächst wichtig, zu erfragen, ob und in welchem Maß sich ein Patient durch die Symptomatik beeinträchtigt fühlt. Zudem muss eruiert werden, in welchem Stadium der Erkrankung sich der Patient befindet, d.h. ob bislang „nur“ lästige Beschwerden bestehen oder bereits durch die BPH bedingte Organschädigungen oder andere Komplikationen vorliegen. Der Patient sollte durch seinen Arzt gut über seine Erkrankung und die in Abhängigkeit von seinem Erkrankungsstadium zur Verfügung stehenden Therapieoptionen aufgeklärt werden. Weiterhin müssen Faktoren wie z.B. der Allgemeinzustand des Patienten, bestehende Vorerkrankungen und der Wunsch des Patienten hinsichtlich einer Therapie erfasst und in die Entscheidung mit eingezogen werden. Kurzum: Ein patientenorientiertes Vorgehen ist bei der BPH unerlässlich.

Welche Therapieoptionen stehen bei der BPH zur Verfügung?

Bei der Therapie der BPH kann in Abhängigkeit von o.g. Faktoren nach einem „Stufenplan“ vorgegangen werden. Bei Patienten, bei denen das Vorliegen einer Prostatavergrößerung nachweisbar ist, die jedoch noch keine störenden Symptome oder Komplikationen vorweisen, können regelmäßige Kontrollen zunächst ausreichend sein. Alternativ können in diesem frühen Stadium unterstützende pflanzliche Mittel, sogenannte Phytopharmaka, zur Anwendung kommen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommt es beispielsweise zu einer Beschwerdezunahme des Patienten, kann eine medikamentöse Therapie zum Einsatz kommen. Hierbei stehen verschiedene Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zur Verfügung. Von hoher Wichtigkeit ist es, dass die Verträglichkeit sowie das Ansprechen auf eine Therapie des Patienten regelmäßig kontrolliert werden. Wenn auch die medikamentösen Therapieoptionen ausgereizt sind oder Komplikationen wie z.B. wiederholt auftretende Harnwegsinfekte, Harnverhalte oder Harnstauungsnieren auftreten, kommen operative Maßnahmen zum Einsatz. Auch hierfür stehen unterschiedlichste Verfahren zur Auswahl. Ganz generell ist das Ziel der BPH-Therapie, die Beschwerden des Patienten zu lindern und gleichzeitig das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern oder zumindest zeitlich zu verzögern, um die Entstehung von Komplikationen zu vermeiden. Sicher ist: Die Erkrankung wird nicht von selbst besser.

Fazit: Was raten Sie Männern mit beginnenden Beschwerden beim Wasserlassen?

Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Urologen. Die BPH ist in den meisten Fällen gut zu behandeln, insbesondere, wenn die Erkrankung bereits in frühen Stadien diagnostiziert wird. Die Durchführung regelmäßiger Kontrollen ist hierbei unerlässlich. Durch eine frühzeitige und zielorientierte Behandlung kann die Lebensqualität des Patienten lange erhalten bleiben.