Diagnostik

Umfassende Diagnostik sichert den Befund

Tastenuntersuchung

Um die Diagnose "Benigne Prostatahyperplasie" (BPH) abzusichern, stehen dem Arzt eine Reihe unterschiedlicher Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Zum Diagnosespektrum gehören körperliche Untersuchungen, Harnflussmessungen, Labortests und bildgebende Verfahren.

Außerdem hilft dem Arzt bei der Beurteilung der Symptome und der Schweregradeinteilung der IPSS-Fragebogen, der im Vorfeld vom Patienten ausgefüllt werden kann.

Digital-rektale Untersuchung (DRU)

Bei dieser Untersuchung ertastet der Arzt die Prostata über den Enddarm (rektal). So lassen sich Größe, Form und Konsistenz der Prostata beurteilen.

Dabei kann der Arzt eine erste Unterscheidung zwischen einer Vergrößerung der Prostata im Rahmen einer BPH und eines Prostatatumors treffen. Auch Prostatasteine können bei der Tastuntersuchung erkannt werden. Die DRU besitzt einen wichtigen Vorhersagewert für die zu erwartende Entwicklung der Erkrankung.

Messung des Harnflusses ("Uroflowmetrie")

Da die Hauptsymptomatik durch eine gestörte Harnblasenentleerung gekennzeichnet ist, kommt der Messung des Harnflusses (Uroflowmetrie) eine besondere Bedeutung zu. Diese ist ab einer Urinmenge von 150 ml aussagekräftig.

Mit der Uroflowmetrie wird überprüft, wie lange die Harnblasenentleerung dauert und wie konstant und kräftig der Harnstrahl ist. Der Kurvenverlauf bei der Harnstrahlmessung ist glockenförmig: Der Harnfluss ist am Anfang schwach, steigt dann auf einen Maximalwert an und wird zum Ende hin wieder schwächer. Bei Vorliegen einer BPH ist die Entleerungszeit der Harnblase unverhältnismäßig verlängert und die Rate bleibt über die Zeit der Entleerung hinweg konstant oder weist mehrere kleinere Spitzen auf.

Ultraschalluntersuchung (Sonografie) zur Restharnbestimmung

Zur Bestimmung der Restharnmenge, also des Harns, der z.B. aufgrund einer BPH nach dem Wasserlassen noch in der Harnblase verbleibt, dient die Ultraschalluntersuchung (Sonografie).

Transrektale Ultraschalluntersuchung zur Beurteilung der Prostata

Das Verfahren der Transrektalen Ultraschalluntersuchung (TRUS), also der Ultraschalluntersuchung über den Enddarm, wird vor allem eingesetzt, um Lage, Größe und Gewebebeschaffenheit der Prostata zu beurteilen.

Röntgenkontrastuntersuchungen

In manchen Fällen sind Röntgenuntersuchungen, häufig in Verbindung mit einem Kontrastmittel notwendig, um krankhafte Veränderungen des oberen und unteren Harntraktes abzubilden.

Laboruntersuchungen

Bei der benignen Prostatahyperplasie sind zudem verschiedene Laboruntersuchungen von Blut und Urin hilfreich, um Entzündungszeichen und anderen Hinweisen auf eine BPH auf die Spur zu kommen:

  • Eine erhöhte Leukozytenzahl (weiße Blutkörperchen) in Urin und Blut weist auf eine Entzündung hin,

  • eine Anämie (Blutarmut) kann Aufschluss über eine Blutung beziehungsweise das Ausmaß eines eventuellen Blutverlustes geben.

  • Außerdem wird im Blut nach Stoffen gesucht, die normalerweise mit dem Harn ausgeschieden werden, wie Harnstoff und Kreatinin. Ein erhöhter Nachweis dieser Substanzen im Blut kann auf eine bereits vorliegende Nierenschädigung hindeuten.

  • Wichtig ist vor allem auch die Bestimmung des PSA-Wertes. PSA ist die Abkürzung für Prostata-spezifisches Antigen – ein Eiweiß, das in den Prostatadrüsen gebildet und bei verschiedenen Erkrankungen der Prostata wie der BPH vermehrt in das Blut abgegeben wird. Ob der PSA-Wert normal oder erhöht ist, hängt vom Alter und vom Prostatavolumen ab.

Parameter

Altersgruppe (Jahre)

40-49

50-59

60-69

70-79

Serum PSA-Konzentration [ng/ml]

0-2,5

0-3,5

0-4,5

0-6,5

Prostatavolumen [ml]

13-51

15-60

17-70

20-82

Tabelle: Normwerte des PSA in Abhängigkeit von Alter und Prostatavolumen (Quelle: Oesterling JE. et al.: JAMA 1993; 270(7): 860-4.)

Die Höhe (absoluter PSA-Wert) und noch mehr die Geschwindigkeit, mit der ein PSA-Wert in einer bestimmten Zeit ansteigt (PSA-Dynamik), können dem Arzt helfen, eine BPH gegenüber einem Prostatakarzinom abzugrenzen.

Harnblasenspiegelung

In bestimmten Fällen, wie zum Beispiel zur Diagnosesicherung einer unterhalb der Blase gelegenen Verengung (subvesikale Obstruktion), bei Blutbeimengungen im Urin oder zum Ausschluss eines Harnblasentumors, kann eine Harnblasenspiegelung (Zystoskopie) erforderlich sein. Damit ist gleichzeitig die Beurteilung der Harnröhre, der Harnblasenschleimhaut und Harnblasenwand möglich, die bei Harnstau und Rückfluss von Harn in das Nierenbecken spezifische Veränderungen aufweisen können.

Biopsie

BiopsieSind der Tastbefund und die übrigen Untersuchungsergebnisse nicht eindeutig einer BPH zuzuordnen – beispielsweise bei einem schnellen Anstieg des PSA-Wertes in kurzer Zeit – ist eine Gewebeprobe (Biopsie) der Prostata zur weiteren Abklärung nötig. Das mit einer feinen Nadel gewonnene Gewebe wird zum Ausschluss einer bösartigen Erkrankung auf Krebszellen untersucht.